Story: Wie fing alles an?

Anfänge


Schon als Kind begeisterte ich mich für Nepal. Dieser ferne Ort, mit all seinen bunten Farben, zog mich schon in jungen Jahren magisch an. Im Alter von 16 Jahren hatte ich dann glücklicherweise die Möglichkeit, ein Praktikum in einem Unicef Waisenhaus in Kathmandu zu machen.

Aufgeregt vor meiner großen Reise packte ich hier in Deutschland meine Sachen mit der Aussicht, nun die nächsten drei Monate im Land meiner Träume verbringen zu dürfen. Die Vorfreude ließ sich auch nicht von den knapp 12 Stunden Flugzeit schmälern.


nepal_ankunft
Wenn man an einen Ort kommt, den man sich in seinem Kopf schon tausendfach ausgemalt hat, ist auch eine Entäuschung schnell möglich. Bei mir und Nepal war es nicht so.

Die Farben, Gerüche und Eindrücke waren genauso überragend, wie ich es mir immer vorstellte. Das Land hatte mich fest in seinen Bann.

Bei meiner Arbeit im Waisenhaus bekam ich die Möglichkeit, die Menschen in Nepal in ihrem ganz natürlichen Wesen kennenzulernen. Es war ein Privileg, die Leute abseits der Einkaufsmeilen zu treffen und mit ihnen und durch sie einen wesentlichen Teil der Kultur des Landes zu verstehen. Die Nepali zeigten eine Gastfreundschaft, die ich vorher noch nie erlebte.

Für Menschen aus Deutschland ist so etwas schnell mal ein wenig überfordernd. Ich möchte es mal so ausdrücken: In Nepal bist du niemals allein! Du gehörst ganz schnell zur Familie und bist ein Teil von diesem Leben. Überall wird gewerkelt, erzählt, gelacht und getanzt und ich immer mittendrin.


nepal_natur
Aber nicht nur die Bewohner Nepals verzauberten mich, sondern auch ganz besonders die Landschaft. Dieses Land bietet steile Gebirgsregionen mit schneebedeckten Spitzen, tropenartige Wälder- und der Vielfalt von allem was dazwischen liegt.


Lieber zu zweit


Leider war meine Zeit im Waisenhaus begrenzt und ich musste den Rückweg nach Deutschland antreten, gern wäre ich länger geblieben.

Zurück in Deutschland begeisterte sich mein jetziger Mann ebenfalls mehr und mehr für Nepal. Daher brauchte es glücklicherweise nicht allzu viel Überredungskraft, um mit ihm gemeinsam Nepal zu erkunden.
In den Jahren 2001&2002 reisten wir sehr oft rüber und hatten dadurch die Möglichkeit,das Land so zu erleben wie es "normalen Touristen" selten möglich ist.

Wir haben von den Nepali viel gelernt. Sie zeigten uns, wie man selbst aus einer misslichen Lage noch etwas Gutes schöpfen kann und dass wir unser deutsches Verhältnis zum Improvisieren hin und wieder überdenken sollten. Aus einer Not eine Tugend machen zu können, ist viel wert.


nepal_impro
Nepal ist ein Land der Kontraste.

Viel Schmutz trifft auf viel Schmuck, Berg auf Tal, Tradition auf Moderne und der stetig wachsende Einfluss des Westens auf die Kultur des Landes.

Diese Kontraste scheinen sich immer schon in den Kleidern der Nepali Frauen zu spiegeln. Leuchtende Farben vereinen sich mit ausgefallenen Formen und vielen detailverliebten Verzierungen. Ich hatte das Gefühl, dass ich etwas von diesen wundervollen Farben, Formen und den liebevollen Details mit nach Deutschland bringen möchte.

Zu der Zeit hatte ich schon einige Erfahrung im Textilhandel sammeln können und so bauten wir  unsere erste Skizze bzw. Idee einer Firma auf. P6 Lakeside, das war die Adresse in unserem geliebten Pokhara. Wir übten uns mit P6 darin, eine Firma in Gedanken aufzubauen.

Wir hatten zu der Zeit eigentlich weder Businessplan, noch Handelspartner oder Ähnliches. Bis heute gibt es von P6 Lakeside lediglich eine Hand voll Pullover und T-Shirts. Die meisten davon findet man bei uns zuhause im Schrank.

Viele Fragen und eventuelle Schwierigkeiten konnten wir auf diese Weise klären. Uns ist beispielsweise klar geworden, dass es uns nicht ausreichte einfach als Mittelsmann zwischen einem Produzenten und unseren Kunden zu stehen. Einfach einkaufen und wieder verkaufen war uns nicht genug.

P6 war unsere Generalprobe. Rückblickend können wir unser Pokhara-Lakeside Abenteuer eigentlich sehr gut als Übung für den Ernstfall und Lektion in Demut betrachten. Wir waren nun bereit und wussten, dass wir einige ganz wichtige Voraussetzungen erfüllen: Motivation, Ideen und dem Willen, für unseren Traum endlos viel zu arbeiten.

Jäger & Sammler

In den Jahren 2003-2005 verbrachten wir weiterhin gemeinsam viel Zeit in Nepal. Anfangs immer noch meist aus rein privatem Interesse, begannen wir im Laufe der Jahre konkreter nach Geschäftspartnern zu suchen.

Es war uns wichtig, jemanden zu finden der mit seiner Geschäftsethik ganz klar auf einer Linie mit uns lag. Wenn wir mit einer Manufaktur in Nepal zusammenarbeiten, dann muss sie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die bestmöglichen Konditionen bieten.
Zu sehr eingebrannt hatten sich schon damals die Bilder aus Produktionsstätten größerer Unternehmen in Bangladesh, Pakistan und Indien.

Wie könnten wir dieses Land so sehr lieben und gleichzeitig nur ans Geschäft denken? Das wäre paradox. Konkret suchten wir nach einer hellen, freundlichen und vor allem sicheren Werkstätte und einem Leiter, dessen Organisation den Mitarbeitern feste Arbeitszeiten, regelmäßige Pausen und einen angemessenen Lohn bieten konnte.


nepal_business02
Business in Nepal ist eine sehr persönliche Sache. Während hier in Deutschland vieles auf dem Papier und über rein ökonomische Kriterien entschieden wird, spielt in Nepal auch das Zwischenmenschliche eine große Rolle. Man möchte, dass der potentielle Geschäftspartner vieles teilt.

Nach einiger Zeit der Suche fanden wir also nicht nur Businesspartner, sondern Freunde. Wir wurden zu ihnen nach Hause eingeladen und lernten dort ihre Familie kennen. Besonders im Gedächtnis geblieben ist uns die Mutter einer Freundin. Sie galt in der Region als eine der höchsten Schamaninnen und die Menschen kamen aus den entlegendsten Ecken des Landes um von ihr Hilfe bei ihren Problemen zu erhalten.

Als wir dann noch ihren Segen erhielten, wussten wir: Jetzt kann nichts mehr schiefgehen!

Nach unserer Erfahrung mit der der Marke P6 Lakeside wussten wir nun, worauf es ankam. Damals hatten wir einen Namen, ein Label ,ein paar Entwürfe- und sonst nichts. Diesmal hatten wir für alles gesorgt.

Nur jetzt fehlte  uns noch der Name. Ihn zu finden war gar nicht so schwer. In zahlreichen Gesprächen mit den Eltern & Großeltern unserer Mitarbeiter haben wir viel über die Geschichte des Landes und der Leute erfahren. Immer wieder ging es in den Erzählungen um die Flucht der Tibeter vor den Chinesen ab 1957. Sie flohen, zu großen Teilen mit nichts als den Kleidern die sie am Leib trugen, über den Himalaya durch Hochgebirgspässe - wie den Ganja-la.

Und da war er, der Name. Mit ihm und einem Konzept unterm Arm meldeten wir unsere Marke am Nikolaustag 2005 im Gewerbeamt an und starteten das Firmenabenteuer, welches uns bis heute begeistert und auf Trab hält.

Shangra

Eine kleine Geschichte möcht ich noch mitgeben. Eine Geschichte von adeligen Äpfeln, tierfreundlichen Kneipen und einer Ziege, die uns als Zieheltern aussuchte. Das war Shangra. Das erste mal sahen wir sie, als sie in einer Zwickmühle steckte.

nepal_shangra

Sie war ausgewachsen genug, so dass man ihr ans Leder wollte.

Vor dem Messer stehend hat sie offensichtlich den Tierfreund in uns beiden gesehen und mit einem Blick, dem wir nicht wiederstehen konnten, an unser Herz appelliert. Sie stieß natürlich nicht auf taube Ohren und wir sorgten dafür, dass die Ziege nicht geschlachtet wird und mit uns kommen durfte.

Möääh machte die Ziege. Das war wohl ihre Weise uns zu sagen, dass wir jetzt auch für ihr Futter zu sorgen hätten und sie hungrig sei.

Wir blickten uns um und sahen einen Händler mit seinem Karren, der wundervolle rote Äpfel anbot. Ein Apfel schmeckt ihr sicher, dachten wir und spendierten ihr einen. In völliger Exstase verschlang sie alles mit Schale und Stiel.

Beim Bezahlen des Apfels dachten wir schon, der Händler will uns aber über den Tisch ziehen, erfuhren dann aber, dass es Jomson Äpfel seien.

Viele Jahre zuvor- lange bevor die Ziege das Licht der Welt erblickte- schlenderte ein wohlbekannter Adliger durch die Region um Jomson. Der Prinz nahm sich einen Apfel vom Baum und biss hinein. Er war begeistert. So begeistert, dass eben jene Äpfel bis heute noch regelmäßig in den Palast des Landes der Teatime und der eigenwilligen Autofahrweise geliefert werden.

Der Apfel muss ihr sehr gefallen haben. Sie wich uns nicht mehr von der Seite. Der Weg zu unserem zu Hause führte durch eine Kneipe. Selbst dort wollte sie uns, stets zur Belustigung der Gäste, nicht mehr verlassen.

Naja- bei dem Futter auch kein Wunder. Abends wartete sie vor unserem Zimmerfenster und verbrachte dort viele Nächte.


nepal_shangra2
Shangra bleibt uns bis heute stellvertretend für all die tollen Erfahrungen und Begegnungen mit Mensch und Tier im Gedächtnis.

Ihr unendliches Vertrauen uns gegenüber entspricht genau der Haltung, die wir an diesem Land und seinen Menschen so sehr schätzen und lieben gelernt haben.

1 Kommentare

  • Nepalfan 13. März 2015 10

    tolle Geschichte

    Ich selbst war auch schon sehr oft in Nepal. Toll was ihr daraus gemacht habt. Dieses Land und diese tollen Menschen, einfach unvergesslich. Weiter so.

Kommentar schreiben

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.